Ein Tag auf dem Fahrrad

7h00

Ich oeffne die Augen in der verlassenen Beach Bar, die ich mir am Vorabend als Nachtquartier ausgesucht hatte. Die Wellen rauschen und die Sonne geht am wolkenfreien Himmel auf.

 

9h00

Ich habe gefruestueckt und weiss jetzt, dass ich am Abend in Astros einen Warmshowers-Schlafplatz haben werde. Die Stimmung ist praechtig und ich muss nur irgendwie rechtzeitig ueber die Berge kommen. Mit einem Kilo ueberteuerter Mandarinen (ich kann mich irgendwie noch nicht dazu durchringen den Griechen auch noch die letzten Mandarinen von den Baeumen zu klauen) mache ich mich also auf den Weg und versuche um jeden Preis die richtige Abzweigung zu finden.

 

9h30

Zum wiederholten Mal frage ich jemanden nach dem Weg um auch wirklich ganz sicher zu sein. Soulinari ? Nè Nè. Also, nicht ? Ach nee,  « nè » heisst ja  «ja ». Also doch richtig.

 

11h00

Nach einem sehr langen Anstieg komme ich im Dorf an und merke, dass es das falsche Dorf ist.  « You have to go back ». Ich will aber nicht zurueck. Zum einen weil das hiesse den ganzen Berg wieder runter zu fahren um von vorn zu beginnen. Zum anderen weil ich nur knapp zwei Hunden entkommen bin, die mindestens so gross wie ein Ponny waren...

 

11h05

Ich rase den Hang runter und fuehle mich scheisse. Wenn der Typ nicht genau wusste wo es lang geht, dann haette er es ja auch sagen koennen. Idiot. Zwei Maenner laufen auf der Strasse rum und stoeren den Verkehr. Egal, ich trete fester und rausche vorbei. Hinter mir ruft einer  « My friend », da knallt auch schon eine halbe Tanne direkt neben mein Fahrrad. Das war knapp my friend denke ich und fahre weiter.

 

11h10

Ich bin genau dort wo ich vor zwei Stunden war und komme mir vor als haette ich einfach nur Zeit und Kraft verloren. Ich fahre mit Wut und somit viel zu schnell und kraftaufwaendig. Ich versuche mir einzureden  der Weg sei das Ziel, aber es bringt irgendwie nichts.

 

11h30

Ich bin endlich auf dem richtigen Weg, der erstaunlich flacher verlaeuft als der vorherige.

 

12h30

Als ich oben ankomme und realisiere, dass es bis Argos 20 Km bergab geht, schlaegt meine Stimmung um. Erleichtert stuerze ich mich den Hang runter und Goetz Widmann bruellt in mein Ohr  « Immer wenn's mich umhaut und mir schwindet der Humor, stell ich mir Politiker beim ficken vor ».

 

12h50

Ich goenne mir im Schatten einer Kirche eine Mittagspause und versuche vergeblich die fickenden Politiker wieder los zu werden...

 

15h30

Gluecklich und erschoepft erreiche ich Astros. Darauf wartend, dass Giorgios mich abholt sitze ich in der Sonne und lese.

 

20h00

Ich schreibe diese Zeilen und trinke griechisches Bier

 

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