Auf in den Norden

Nach zwei gemuetlichen Tagen in Izmir habe ich mich auf den Weg in den Norden gemacht. Nicht etwa, wie urspruenglich angedacht durch das Innenland, sondern an der Kueste entlang. Aus Izmir rausfahren macht genauso viel Spaß wie nach Izmir reinfahren und spaetestens ab diesem Zeitpunkt stand defintiv fest, dass ich auf keinen Fall mit dem Fahrrad nach Istanbul fahren wuerde. Ich machte mich also auf nach Bergama, wo ich eine kleine Jugendherberge ausfindig gemacht hatte und hoffte dort nach langer Zeit mal wieder auf andere Reisende zu treffen. Und ich hatte Glueck. Rob aus England war der einzige Gast außer mir und mit ihm schlaenderte ich einen Großteil des Nachmittags durch Bergama. Wir verstanden uns wie ich fand sehr gut und auch tat es mir gut mal wieder ein richtiges Gespraech auf Englisch zu fuehren, bei dem tatsaechlich auch jedes Wort verstanden wird. Am naechsten Morgen ging es weiter nach Ayvalik doch nicht ohne auf halber Strecke mit den Fahrradfahrern Ali und Mustafa den einen oder anderen Tee zu trinken. Nun habe ich uebrigens schon einen zweiten Ort  « an den ich immer kommen kann », denn auch bei Ali in Dikili  « bin ich immer willkommen ».


Eigentlich sollte es weiter nach Bandirma gehen um von dort ein Schiff direkt nach Istanbul zu nehmen, dann entschied ich mich aber nach Çanakkale zu fahren um mein Fahrrad einfach in der Naehe der griechischen Grenze stehen zu lassen und mit dem Bus nach Istanbul zu fahren. Gestern hatte ich diese Entscheidung schon fast bereut, denn in dieser Ecke der Tuerkei ist es so windig, dass ich nicht mehr als 45 Kilometer schaffte und voellig erschoepft in Gelibolu landete. Dort soll man im Hotel Istanbul vor einer Woche zwei Radfahrer aus der Schweiz gesehen haben.  « No, they don't have a blog », schon klar, die zwei sind mir bekannt, Alena und Marcel, die seit mehr als vier Monaten an ihrer Internetseite basteln (und nebenbei manchmal auch radfahren). Zu genau jenen Schweizern stoße ich uebrigens morgen in Istanbul und darf sogar in ihrer frisch gemieteten Wohnung schlafen und sie moralisch bei ihren vielen Konsulatsbesuchen unterstuetzen.

 

Naja, jedenfalls bin ich heute nach einem weiteren windigen Tag heil in Keşan angekommen. Hier hatte ich einen Warmshowersplatz auf dem Bauernhof von Rahman ausfindig gemacht. Als ich ankam war jedoch keiner da und selbst der Schaefer war irgendwie außer Haus. Ich fuhr also in die Stadt um das von Rahman beschriebene Fahrradlokal zu finden. Dort wurde ich aufs Waermste empfangen. Man rief Rahman an, und bei einem heißen Tee wurde mir genau erklaert wo ich fuer die kommenden Tage mein Fahrrad unterbringen koenne. Nach dem obligatorischen Gruppenfoto fuhr ich zurueck zu Rahmans Bauernhof, wo jetzt auch der Schaefer anwesend war. Als ich mich gerade auf eine sehr kalte Nacht eingestellt hatte, klopfte auch schon Rahman's Vater um mit etwas Holz den Ofen anzuschmeißen.


Morgen geht es dann fuer drei oder vier Tage nach Istanbul. Danach moechte ich mich auf den Weg nach Alexandroupolis machen und weiter bis nach Thessaloniki fahren. Ich habe mir noch nicht genau ueberlegt wie es dann genau weitergehen soll. Fest steht jedoch, dass ich vor April auf keinen Fall weiter in den Norden fahren werde. Dafuer ist es mir gerade einfach noch zu kalt.

 

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